„Die radikale Rechte in Deutschland, 1945-2000“ (ZZF Potsdam)
Projektleitung: Frank Bösch (ZZF Potsdam und Universität Potsdam) und Gideon Botsch (MMZ Potsdam und Universität Potsdam)
Mitarbeitende: Eric Angermann, Johannes Schütz, Marie Müller-Zetzsche, Laura Haßler, Lea Tewes, Jakob Saß, Dominik Rigoll, Johann Henningsen, Hendrik Wehling, Darius Muschiol
Das Forschungsprojekt widmet sich der Geschichte der radikalen Rechten in beiden Teilen Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, deren Entwicklung umfassend und archivgestützt, auch auf Grundlage bisher nicht erschlossener Quellen, zeithistorisch kontextualisiert zu analysieren.
Im Mittelpunkt steht dabei die übergeordnete Leitfrage, durch welche sozialen Praktiken sich der generationelle Wandel der radikalen Rechten in Deutschland vollzog – von den im Nationalsozialismus sozialisierten Akteurinnen und Akteuren hin zu den in der Demokratie und der SED-Diktatur aufgewachsenen Kohorten, die seit den 1970er-Jahren tonangebend wurden.
Dieser Wandel wird in verschiedene Teilprojekten mit gesellschaftsgeschichtlichen Zugängen und akteursorientierten Perspektiven untersucht. In den Blick genommen werden ideologische und organisatorische Formationen, kulturelle und lebensweltliche Praktiken, nicht zuletzt auch Gewaltformen der radikalen Rechten sowie deren Beziehungen zu Staat und Gesellschaft.
Das Forschungsvorhaben wird durch die VolkswagenStiftung finanziert; die Hans-Böckler-Stiftung unterstützt ergänzend drei Dissertationsvorhaben.
Projektwebseite: https://projekt.radikale-rechte.de/
„Hamburg rechtsaußen. Rechtsextreme Gewalt- und Aktionsformen in, mit und gegen städtische Gesellschaft. 1945 bis Anfang der 2000er Jahre“ (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg)
Projektleitung: Knud Andresen (FZH)
Mitarbeitende: Daniel Gerster (FZH), Kerstin Thieler (FZH)
Das Projekt HAMREA zielt darauf ab, eine Gesellschaftsgeschichte der extremen Rechten in Hamburg vom Kriegsende bis zur Jahrtausendwende zu schreiben. Es nimmt daher ihre Aktivitäten in den Blick und sucht nach den personellen, semantischen und performativen Kontinuitäten ebenso wie nach Wandelungsprozessen. Um die gesellschaftsgeschichtliche Relevanz von rechtsextremem Handeln zu vermessen, fragt das Projekt darüber hinaus nach den Reaktionen anderer Akteure, nach ihrer Wahrnehmung und Deutung rechtsextremer Taten und nach ihrem eigenen Handeln. Der Fokus richtet sich hierbei auf die „Betroffenen“, also denjenigen, die unmittelbar von den Taten der extremen Rechten tangiert waren, aber ebenso auf andere politische und gesellschaftliche Akteure aus Polizei und Justiz, Parteien und Medien. Im Fokus steht zudem das gesellschaftliche Engagement gegen rechts. Die Frage, wer sich wann mit der extremen Rechten auseinandersetzte, oder nicht, und wer ihre Themen ablehnte oder an sie andockte, führt direkt zu einer gesellschaftsgeschichtlichen Perspektive auf die Bundesrepublik.
Das Forschungsprojekt schließt mit seiner Fragestellung unmittelbar an aktuelle Themen der Geschichtswissenschaft an. Dagegen hatte die zeithistorische Forschung die Geschichte der extremen Rechte in der Bundesrepublik und in der DDR bis vor wenigen Jahren weitgehend vernachlässigt. Vor dem Hintergrund einer lange Zeit kolportierten „Erfolgsgeschichte“, die von einer gelungenen Aufarbeitung des Nationalsozialismus und einer Liberalisierung der politischen Kultur geprägt war, blieben die seit 1945 zu beobachtenden Aktionen der extremen Rechten gleichsam „Störungen von außen“. Erst in jüngster Zeit befasst sich die historische Forschung intensiv mit diesem Aspekt der Nachkriegsgeschichte. Das Projekt HAMREA leistet dazu einen Beitrag, in dem die Geschichte der extremen Rechten in Hamburg erforscht und dabei Vernetzungen in Norddeutschland und der Bundesrepublik in den Blick nimmt.
„Counter Media – Periodicals of the New Left and the New Right“ (Universität Fribourg, Hochschule der Künste Bern)
Projektleitung: Damir Skenderovic (Universität Fribourg), Robert Lzicar (Hochschule der Künste Bern)
Mitarbeitende: Ahmet Köken (Universität Fribourg), Stefan Rindlisbacher (Universität Fribourg), Franca Sophia Schaad (Hochschule der Künste Bern), Baldassare Scolari (Hochschule der Künste Bern)
Das transdisziplinäre Forschungsprojekt analysiert Ideen, Deutungen und Repräsentationen, die in den Medien der Neuen Linken und der Neuen Rechten durch die multimodale Kombination von Sprache und Bildern vermittelt werden. Es versucht zu verstehen, wie die Gegenmedien dieser Bewegungen Gegenwissen produzieren und Gegenöffentlichkeiten schaffen, und liefert Erkenntnisse über die Bedeutung von Texten und Bildern. Gegenwissen ist Wissen, das sich aktiv gegen die vorherrschenden Werte, Hierarchien und Machtverhältnisse richtet. Gegenwissen wird sowohl von Akteur*innen der Neuen Linken als auch von Akteur*innen der Neuen Rechten produziert und verbreitet, wenn auch auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Zielen, Formen und Inhalte. Auch untersucht das Projekt, wie diese Gegenmedien die Anhänger*innenschaft mobilisieren und kollektive Identitäten schaffen.
Durch die Untersuchung eines gemeinsamen Korpus von Zeitschriften der Neuen Rechten und der Neuen Linken der 1960er bis 1980er Jahre in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz stellt das Projekt disziplinäre Grenzen infrage und bereichert transdisziplinäre Forschung und Debatten. Zudem werden dafür Ansätze und Methoden der Zeitgeschichte und der Designgeschichte verknüpft.
Erstens gibt die Untersuchung einen Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Neuen Rechten und der Neuen Linken. Sie trägt dazu bei, Prozesse der Aneignung und des Austauschs von Ideen, Stilen und Ästhetiken innerhalb der beiden Bewegungen zu verstehen. Zweitens wird sie Erkenntnisse über die Rolle von Texten und Bildern in den Medien der Neuen Linken und der Neuen Rechten und ihre Bedeutung für die Produktion von Gegenwissen liefern. Vor dem Hintergrund der anhaltenden intensiven Diskussionen über die Bedeutung von Wissen, Informationen und Fakten in den Medien und der Öffentlichkeit wird dieses Projekt von breiter gesellschaftlicher und politischer Relevanz sein. Das Forschungsteam wird daher die erwarteten Forschungsergebnisse über die Scientific Community hinaus auch für Pädagog*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Praktiker*innen zugänglich machen.
Projektwebseite: https://projects.unifr.ch/countermedia/en/
