Eric Angermann (Universität Göttingen) untersucht in seinem Promotionsprojekt „Vom „Rowdytum“ zur bundesweiten Organisierung. Die neonazistische Rechte in beiden deutschen Staaten (1983-1991)“ in mehreren regionalen Fallstudien das Agieren neonazistischer Akteure in der BRD und in der DDR zwischen 1983 und 1991, um ihre Praxen, ihre Handlungsspielräume,Organisierungsweisen, politische Kultur und Wege der Vernetzung herauszuarbeiten. Dabei möchte er mittels mikrohistorischer und raumsoziologischer Zugänge aufzeigen, auf welche Weise eine derart handlungsstarke vereinigte neonazistische Rechte im Zuge des Wendeprozesses entstehen konnte.

Sebastian Bischoff (Universität Paderborn) arbeitet in einem Habilitationsprojekt zu
autoritär-nationalistischen Sexualitätsvorstellungen in USA und BRD, 1960ff.

Andreas Borsch (Uni Trier) untersucht in seinem Promotionsprojekt „Die Organisation des Gestapo-Trier-Ensembles. Personal. Struktur. Organisationsmuster. [Arbeitstitel]“ die strukturellen, personellen und ideologischen Muster einer regionalen Dienststelle der Geheimen Staatspolizei. Ein Fokus liegt hierbei auf der Rekonstruktion und Analyse der Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltungsebene. Die Studie richtet zudem den Blick über die Grenzen 1933/1945 hinaus, um Wandel und Kontinuitätslinien (geheim)polizeilicher Logiken, Diskurse, Handlungsmuster aber auch des Personals herausarbeiten zu können. Dadurch kann nicht allein die Spezifik der Gestapo kenntlich gemacht werden. So vermag es die Studie auch ein Schlaglicht auf behördliche Logik, Praxis und Personal nach dem Nationalsozialismus zu werfen.

Laura Haßler (ZZF Potsdam) erforscht in ihrem Promotionsprojekt „Rechte Kaderschmieden. Die ‚Jungen Nationaldemokraten‘, ca. 1967–1994“ die Jugendorganisation der NPD. Neben der formalen Organisation untersucht sie auch das „soziale Gebilde“ der ‚Jungen Nationaldemokraten‘ und analysiert deren Organisationskultur, Ideologieproduktion und soziale Struktur, ebenso, wie andere Gruppen sie wahrnahmen, ihnen Möglichkeitsräume eröffneten oder sie beschnitten.

Niklas Krawinkel (Goethe-Uni/Fritz Bauer Institut Frankfurt) untersucht in einem Post-Doc-Projekt ein breites Spektrum extrem rechter Akteure in der Geschichte der Bundesrepublik: Im Einzelnen geht es um die hochdekorierte Integrationsfigur aus der „Erlebnisgeneration“ Hans-Ulrich Rudel, das führende Debatten- und Theorieorgan Nation Europa, den Jugendbund Wiking-Jugend sowie die Entwicklung in der Region Frankfurt/Rhein-Main. Ziel ist es, die politische Praxis der extremen Rechten in ihrem Verhältnis zur sogenannten Mitte der Gesellschaft zu analysieren. Anknüpfungspunkte, Wechselwirkungen und gegenläufige Entwicklungen werden untersucht.

Maximilian Kreter (HAIT) erforscht in dem „Juvenile Rebellion oder rechtsextreme Propaganda? Die Ideologie des Rechtsextremismus im deutschsprachigen Rechtsrock von 1977 bis 2017“ die ideologische Entwicklung in den Liedtexten deutschsprachiger Rechtsrockgruppen aus Deutschland von der Entstehung bis zur Gegenwart. Im Fokus steht dabei die Rolle der Ideologie in der und für die Musik, die konkrete Abbildung in einzelnen Ideologemen und wie sich dies in den Textinhalten widerspiegelt.

Oliver Lorenz (WWU Münster) fragt in seinem Promotionsprojekt „Kontinuitäten und Brüche extrem rechter Geschichtspolitiken in der Bundesrepublik Deutschland – Erinnerung als Hypothek und Ressource“ danach, mithilfe welcher Narrative nach den beispiellosen Verbrechen des Nationalsozialismus ein potentiell an ihn anknüpfendes Geschichtsbild aufrechterhalten werden konnte und mithilfe welcher Narrative die Verbrechen der NS-Diktatur im Geschichtsbild extrem rechter Akteure legitimiert, bagatellisiert und geleugnet oder eine Abgrenzung zum historischen Nationalsozialismus gesucht wurde.

Barbara Manthe (Universität Bielefeld) erforscht in ihrem Habilitationsprojekt „Westdeutsche Gesellschaft und Rechtsterrorismus, 1945-1990“ an der Universität Bielefeld die Geschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik und wie die westdeutsche Gesellschaft mit der rechtsterroristischen Herausforderung umgegangen ist.

Darius Muschiol (Uni Potsdam) nimmt in seinem Promotionsprojekt „Einzeltäter? Rechtsterroristische Akteure in der alten Bundesrepublik“ eine zeithistorische Untersuchung rechtsterroristischer Akteure vor 1990 vor. Die akteursorientierte Arbeit zielt darauf, ausgehend von konkreten terroristischen Gewalttaten in der alten Bundesrepublik ein differenziertes Bild des Verhältnisses des rechtsextremen Milieus und seiner Akteure zu terroristischer Gewalt auszuarbeiten. Zentraler Ausgangspunkt ist die Frage, inwiefern es sich bei den Akteuren um „Einzeltäter“ und/oder Gruppierungen von „halbverrückten Spinnern“ handelte, als welche sie in Politik und Öffentlichkeit häufig bezeichnet wurden.

Paul Räubers (Uni Rostock) Dissertation trägt den Titel „Die extreme Rechte im Umbruch. Das neonazistische Milieu in Mecklenburg-Vorpommern 1980-1993.“ Da es nach wie vor ungeklärt ist, wie Neonazis in den frühen 1990er Jahren eine solche Durchschlagskraft entwickeln konnten, werden in der Studie neue Antworten gesucht. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei der rechte Alltag über den Mauerfall hinweg. Anhand regionaler Fallbeispiele wird so die Besonderheit des ostdeutschen Neonazismus deutlich.

Dominik Rigoll (ZZF Potsdam) untersucht in seinem Habilitationsprojekt das Verhältnis zwischen staatlicher Ordnungspolitik und politischem Nationalismus von der Weimarer zur Bonner und Ost-Berliner Republik. Wie hielt der Weimarer Staat dem Ansturm der „nationalen Opposition“ vierzehn Jahre lang stand? Wie zerschlugen die Alliierten nach ihrem Sieg den „deutschen Militarismus und Nazismus“? Was unternahmen BRD und DDR nach 1949 zur Abwehr von „Neonazismus“ respektive „Neofaschismus“, aber auch zur Integration ehemaliger Nazis? Und wie wirkte es sich auf den Umgang des Bonner Staates mit der nationalistischen Rechten aus, dass es sich bei vielen seiner leitenden Beamten um ehemalige NS-Funktionseliten – sprich: um Nationalisten – handelte?

Jakob Saß (ZZF Potsdam) untersucht in seinem Promotionsprojekt „Die Bundeswehr und die radikale Rechte (1955-1995)“ zäsurübergreifend rechtsradikale Praktiken und die internen und externen Reaktionen der militärpolitischen Institutionen. Die Studie fragt nach Spielräumen für rechtsradikale Soldaten, rechte Parteien und Rechtsterroristen. Dabei betrachtet sie vor allem den Mentalitätstransfer der NS-sozialisierten „Erlebnisgeneration“ in den Kasernen und Bundeswehrhochschulen und setzt diesen in Beziehung zur Ausbildung des Ideals eines mündigen, verfassungstreuen „Staatsbürgers in Uniform“.

Pablo Schmelzer (HIS) untersucht in seinem Promotionsprojekt „Im Namen des Volkes? Rechte Gewalt und Diskurse einer bedrohten Ordnung in Deutschland zwischen 1970 und 1993“ die Geschichte rechter Gewalt in ihrem Wechselverhältnis mit gesellschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen in beiden deutschen Staaten zwischen 1970 und 1989 und im wiedervereinigten Deutschland bis 1993. Mit Hilfe des Vigilantismus-Konzepts sollen dabei lokale Aushandlungsprozesse von rechter Gewalt vor dem Hintergrund von Diskursen einer bedrohten homogenen Ordnung analysiert und danach gefragt werden, wie sich völkische Bedrohungsszenarien in die Wahrnehmung von und den Umgang mit rechter Gewalt einschreiben konnten.